Bezahlbarer Wohnraum in Telgte:  Was ist zu tun?

Bezahlbarer Wohnraum in Telgte: Was ist zu tun?

Jeder, ob Familie oder Einzelperson, der in Telgte auf Wohnungssuche ist, kann ein Lied davon singen: man muss lange suchen, um eine Wohnung oder ein Haus zu finden – wenn man denn überhaupt fündig wird. Besonders schwierig ist es für diejenigen, die niedrige Einkommen beziehen, denn in keiner anderen Kommune des Kreises Warendorf sind die Preise so hoch wie bei uns.

Das Problem ist an und für sich nicht neu, auch wenn uns Ratsmitgliedern noch vor wenigen Jahren ein Experte erklärt hat, warum Telgtes Bevölkerung infolge des demografischen Wandels „weniger, bunter und älter“ werde. Nun, das Gegenteil dessen ist eingetreten: Telgte wächst und die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen. Es ist vor allem die Nähe zu Münster, die unsere schöne Stadt auch für Auswärtige besonders attraktiv macht. Bedenkt man nun, dass einer Studie des Landes NRW zufolge Münster in den kommenden 25 Jahren um sage und schreibe 50.000 Einwohner wachsen soll und dass diese Entwicklung natürlich auch den Wohnungsmarkt in Telgte zusätzlich belasten wird, darf es insoweit keine zwei Meinungen geben: Politik und Verwaltung müssen an einem Strang ziehen und gemeinsam das Thema Wohnungsbau mit Nachdruck angehen. Und zwar jetzt.

In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt bei der Entwicklung von Wohnflächen in Telgte darin, Bauflächen für Ein- und Zweifamilienhäuser auszuweisen. Aber selbst in diesem Segment ist der Bedarf nach wie vor bei Weitem nicht gedeckt. Das Baugebiet Telgte Südost, das einzige größere Areal für die Eigenheimbebauung, ist bereits nach kurzer Zeit nahezu komplett vermarktet. Auch hier besteht also weiter Handlungsbedarf.

Noch dringender aber ist es, den Geschosswohnungsbau in den Blick zu nehmen, denn er ist in der Vergangenheit aus dem Focus geraten, um nicht zu sagen, sträflich vernachlässigt worden. Ein Versäumnis, das wir heute mit entsprechend hohen Miet- und Kaufpreisen teuer bezahlen. Hier ist konsequent anzusetzen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Flächen, die für einen Geschosswohnungsbau zur Verfügung stünden, sind auf dem Telgter Stadtgebiet vorhanden.

So zum Beispiel im Orkotten: Bekanntlich wird der Lidl- Markt auf das bisher von der Firma Hygi genutzte, ehemalige „Kruchengelände“ umziehen. Das dann frei werdende Grundstück, das im Eigentum der Firma Lidl steht, könnte dazu genutzt werden, hier Geschosswohnungsbau zu errichten. Diese Gelegenheit darf die Telgter Kommunalpolitik nicht ungenutzt lassen, zumal die Eigentümerin signalisiert hat, den Weg mitgehen zu wollen, soweit er denn für sie wirtschaftlich darstellbar ist.

Am vergangenen Mittwoch (24. August) hat eine Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit aufgenommen, die von den im Rat vertretenen Parteien ins Leben gerufen wurde und die nun Lösungen für die angespannte Wohnraumsituation in Telgte erarbeiten soll.

Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe werden unter dem Stichwort „sozialgerechte Bodennutzung“ die Frage zu diskutieren haben, ob die Stadt Telgte gegenüber privaten Eigentümern und Investoren durchsetzen kann und dies dann ggf. auch sollte, einen Teil der Wohnfläche in Form von geförderten Mietwohnungen zu errichten. Denn selbst wird die Stadt das Gelände nicht erwerben können, um es entsprechend zu bebauen.

Als FDP unterstützen wir das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nachdrücklich; wir sehen aber den von der SPD verfolgten Weg sehr kritisch, den Investoren gegenüber mit derartigen Zwangsvorgaben zu arbeiten.

Ein Blick nach Münster zeigt, wozu dies führen kann: Unter der Überschrift „Abschied von Sozialwohnungen; Investoren lehnen 25 Prozent-Quote für Hafenprojekt ab“ lesen wir in den Westfälischen Nachrichten vom 13. August 2016, dass am Hafen ein Investorenprojekt jetzt zu scheitern droht, weil es sich nach Auffassung der Investoren wirtschaftlich nicht realisieren lasse, wenn 25 Prozent der Wohnfläche als Sozialwohnungen zu errichten sind.

So etwas darf uns in Telgte nicht passieren.

Es sind daher jetzt Gespräche mit den Beteiligten zu führen, um auf diesem Weg eine Lösung zu finden, die alle Interessen angemessen berücksichtigt. Einerseits das öffentliche Interesse daran, seine Kommune städtebaulich ansprechend zu entwickeln und (Neu-) Bürgern bezahlbaren Wohnraum anzubieten, andererseits das Recht und die Freiheit eines jeden, im Rahmen der Gesetzte selbstbestimmt mit seinem Eigentum umzugehen.

Detlev Dierkes       Dr. Oliver Niedostadek