Presseerklärung zur Berichterstattung in den WN vom 03.10.2019, Baugebiet Telgte-Süd

Presseerklärung zur Berichterstattung in den WN vom 03.10.2019, Baugebiet Telgte-Süd

Die FDP hat bereits im Frühjahr 2019 ihre Unterstützung für das Bauprojekt Telgte Süd im Planungsausschuss und dann auch im Rat zurückgezogen. Wir haben diese Entscheidung wahrlich nicht ohne Grund und nicht leichtfertig getroffen; diesen Vorwurf aus anderen Fraktionen weisen wir entschieden zurück. Es gab für unsere Haltung zwei wesentliche Gründe, die von uns auch in den Sitzungen immer wieder vorgetragen worden sind; und es sind nun genau diese beiden Gründe, die zu der deutlichen Reduzierung des Baugebietes Telgte Süd durch Aufgabe des dritten geplanten Bauabschnittes führen.

Ein Grund war die notwendige Verlagerung eines landwirtschaftlichen Lohnunternehmens aus dem Planungsgebiet in den Kiebitzpohl Nord. Die dadurch der Stadt entstehenden Kosten ließen umgelegt auf den qm-Preis die Grundstückspreise explodieren, die von Beginn der Planung an von NRW Urban – dem Erschließungsträger – viel zu niedrig kalkuliert worden waren. Darauf haben wir  immer wieder hingewiesen.

Der zweite Grund für die Ablehnung des Baugebietes Telgte Süd waren für die FDP die Auswirkungen von Geruchsemissionen von zwei landwirtschaftlichen Betrieben, die zwar außerhalb des Plangebietes liegen, aber auf das Plangebiet emittieren. Den Umfang der Emissionen hat die Verwaltung völlig unterschätzt. Von Beginn der Planung an haben jedoch beide Betriebsinhaber die Verwaltung immer wieder auf die Problematik aufmerksam gemacht. Dort aber – man muss es so deutlich sagen – wurde das Problem kleingeredet. Es gibt überhaupt keinen Grund, dass die Verwaltung jetzt über die Ergebnisse des Geruchsgutachtens überrascht ist. Wir jedenfalls sind es nach den Gesprächen, die wir im Vorfeld mit den Betriebsinhabern geführt haben, nicht. Die Verwaltung hätte einfach nur den Landwirten zuhören und deren Bedenken ernst nehmen müssen. Das jetzt vorliegende Gutachten weist eine Emissionskonzentration aus, die verhindert, dass Wohnbebauung im dritten Bauabschnitt möglich und genehmigt wird. Es ist unnötig Zeit und auch Geld verloren gegangen durch ein Festhalten an Planungen, die nicht umsetzbar waren.

Wir benötigen dringend bezahlbaren Wohnraum in Telgte. Deshalb haben wir es nicht bei unserem Nein zu den bisherigen Planungen belassen, sondern haben Alternativen aufgezeigt. In unmittelbarer Stadtnähe auf bereits versiegelten Flächen, die für eine Gewerbeansiedlung seit Jahren ungefragt sind,  könnte sehr schnell in nennenswerter Zahl bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Aus für uns wie für unzählige Bürger nicht nachvollziehbaren Gründen gibt es im Rat leider keine Unterstützung der anderen Fraktionen für solche Überlegungen. Und auch der Regionalplan, der vorschreibt, wo noch Flächen für die Wohnbebauung in größerem Umfang entwickelt werden können, ist nicht in Stein gemeißelt und kann, wenn man das politisch will, geändert werden. Leider ist das zurzeit nicht gewollt. Schade!

Die neuen Pläne zu Telgte Süd werden wir abwarten und dann verantwortungsbewusst entscheiden.

Karin Horstmann

Sprecherin der FDP-Fraktion